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SIP-Trunk Technik

Die technischen Grundlagen von VoIP-Trunking verstehen

Wie funktioniert ein SIP-Trunk?

Ein SIP-Trunk verbindet Ihre IP-Telefonanlage über das Internet mit dem öffentlichen Telefonnetz (PSTN). Dabei kommen zwei getrennte Datenströme zum Einsatz:

  1. Signalisierung (SIP): Steuert den Verbindungsaufbau, Rufweiterleitung, etc.
  2. Medien (RTP): Transportiert die eigentlichen Sprachdaten
Ihre PBX
SIP + RTP →
Internet
SIP + RTP →
SIP-Provider
ISDN/SS7 →
PSTN

Beteiligte Protokolle

SIP

Session Initiation Protocol

Signalisierung: Aufbau, Steuerung und Abbau von Verbindungen

RTP

Real-time Transport Protocol

Medientransport: Übertragung der eigentlichen Sprachdaten

SDP

Session Description Protocol

Beschreibung der Medienparameter (Codecs, Ports, etc.)

SRTP

Secure RTP

Verschlüsselte Variante von RTP für abhörsichere Gespräche

TLS

Transport Layer Security

Verschlüsselung der SIP-Signalisierung

SIP-Signalisierung im Detail

SIP nutzt textbasierte Nachrichten (ähnlich HTTP). Die wichtigsten Nachrichtentypen:

Anfragen (Requests)

  • INVITE: Startet einen Anruf
  • ACK: Bestätigt den Verbindungsaufbau
  • BYE: Beendet einen Anruf
  • REGISTER: Meldet sich beim SIP-Server an
  • CANCEL: Bricht einen laufenden INVITE ab

Antworten (Responses)

  • 100 Trying: Anfrage wird bearbeitet
  • 180 Ringing: Telefon klingelt
  • 200 OK: Erfolg
  • 401/407: Authentifizierung erforderlich
  • 404: Benutzer nicht gefunden
  • 486 Busy: Besetzt

Beispiel: Anrufablauf

Anrufer              SIP-Server              Angerufener
   |                      |                        |
   |------- INVITE ------>|                        |
   |                      |------- INVITE -------->|
   |<----- 100 Trying ----|                        |
   |                      |<----- 180 Ringing -----|
   |<----- 180 Ringing ---|                        |
   |                      |<----- 200 OK ----------|
   |<----- 200 OK --------|                        |
   |------- ACK --------->|------- ACK ----------->|
   |                      |                        |
   |<=============== RTP (Audio) =================>|
   |                      |                        |
   |------- BYE --------->|------- BYE ----------->|
   |<----- 200 OK --------|<----- 200 OK ----------|

Audio-Codecs

Codecs komprimieren und dekomprimieren die Sprachdaten

CodecBandbreiteQualitätLatenzEinsatz
G.711 (PCMA/PCMU)64 kbit/sSehr gutSehr niedrigStandard, beste Qualität
G.72264 kbit/sHD VoiceNiedrigBreitband-Audio
G.7298 kbit/sGutMittelBandbreite sparen
Opus6-510 kbit/sExzellentAdaptivWebRTC, modern

NAT und Firewall

Die größte Herausforderung bei VoIP ist die Netzwerk-Adressübersetzung (NAT). Die meisten Internetanschlüsse nutzen NAT, was zu Problemen führen kann:

  • SIP-Pakete enthalten IP-Adressen im Payload (nicht nur im Header)
  • RTP-Ports werden dynamisch ausgehandelt
  • NAT-Router "vergessen" Zuordnungen nach kurzer Zeit

Lösungsansätze

  • STUN: Ermittelt die öffentliche IP-Adresse
  • TURN: Relay-Server für schwierige NAT-Situationen
  • ICE: Kombiniert STUN und TURN intelligent
  • Session Border Controller (SBC): Professionelle Lösung für den Firmeneingang
Wichtig: Deaktivieren Sie unbedingt SIP-ALG in Ihrem Router! Diese "Hilfsfunktion" verändert SIP-Pakete und verursacht mehr Probleme als sie löst.

Verschlüsselung

Standard-SIP und RTP sind unverschlüsselt. Für sichere Kommunikation gibt es:

  • TLS (Transport Layer Security): Verschlüsselt die SIP-Signalisierung
  • SRTP (Secure RTP): Verschlüsselt die Sprachdaten
  • ZRTP: Ende-zu-Ende-Verschlüsselung (selten unterstützt)

3CX unterstützt TLS und SRTP. Die meisten deutschen SIP-Trunk Provider bieten verschlüsselte Verbindungen an.

Quality of Service (QoS)

Für gute Sprachqualität ist niedrige Latenz und geringer Paketverlust wichtig:

  • Latenz: Sollte unter 150ms sein (eine Richtung)
  • Jitter: Schwankung der Latenz, sollte unter 30ms bleiben
  • Paketverlust: Sollte unter 1% bleiben

In Ihrem lokalen Netzwerk können Sie QoS-Regeln einrichten, die VoIP-Traffic priorisieren. Im Internet selbst haben Sie darauf keinen Einfluss.

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